„Vom Töten leben“

Wie können Menschen vom Töten leben, indem sie – abgeschieden hinter Schwarzwaldbergen – seit vielen Generationen Kriegswaffen bauen?

Um eine Antwort zu finden, besucht Filmemacher Wolfgang Landgraeber die schwäbische Kleinstadt Oberndorf, wo er vor dreißig Jahren, auf dem Höhepunkt der Friedensbewegung, den Dokumentarfilm „Fern vom Krieg“ drehte. Was hat sich seither verändert? Sein neuer Film zeigt Kriegsschauplätze im Nahen Osten, in Afrika und auf dem Balkan, wo mit Heckler & Koch-Waffen erbittert gekämpft wurde und wird.

Im direkten Kontrast dazu: die Beschaulichkeit von Oberndorf, der 14.000-Einwohner-Stadt am Ostrand des Schwarzwaldes. Doch hinter der hübschen Kulisse wirkt die Stadt an vielen Stellen wie tot: verfallende Häuser, geschlossene Geschäfte. Zwei Drittel der Arbeitsplätze sind in den beiden Rüstungsbetrieben Mauser und Heckler seit den 80er Jahren verloren gegangen. Viele Oberndorfer haben ihrer Stadt den Rücken gekehrt. Jetzt scheint sich die Monostruktur der Rüstungsproduktion zu rächen, die viele Jahrzehnte lang für Wohlstand sorgte.

Oberndorf sieht sich an den Pranger gestellt, und die Stadt igelt sich ein: keine Interviews zum Thema Waffen, keine Dreherlaubnis in den Rüstungsfabriken, kein Nachdenken über Alternativen. Statt dessen ein trotziges „Wenn wir die Waffen nicht machen, dann machen sie andere“, wenn sich doch jemand mal zum Interview stellt.

 

„Vom Töten leben“ ist auch ein Film über Zwangsarbeiter im Krieg, die den Waffen hier bereits im Stadium ihrer Herstellung zum Opfer gefallen sind. Über Flüchtlinge aus Bosnien und einen Chirurgen aus Kenia, die sich nun an dem Ort eingefunden haben, aus dem die Waffen stammen. … Der Krieg boomt, aber seinen Lieferanten geht es nicht gut. Vor 32 Jahren fanden bei den Waffenschmieden noch ein paar Tausend Oberndorfer Arbeit, heute sind es noch ein paar Hundert.

Jens Müller in „die tageszeitung“ (taz) vom 23.11.2016

 

Durch die persönlichen Erinnerungen der Zeitzeugen vermittelt der Film vor allem verschiedene Facetten des Widerstands und des Widerspruchs, in dem der Ort und seine Bewohner in ihrem … „faustischen Pakt“ mit der Waffenindustrie leben. Und indem er die tödlichen Wirkungen der „Kriegsgeräte“ zeigt, spitzt er diesen Konflikt in einem moralischen Dilemma zu.

Wolfgang Nierlin, Rhein-Neckar-Zeitung vom 15.3.2017

 

Der Film zeigt Kriegsschauplätze im Nahen Osten, in Afrika und auf dem Balkan, wo mit Heckler & Koch – Waffen erbittert gekämpft wurde und wird. … Landgraeber ist ein bewegendes Plädoyer gegen die Waffenproduktion gelungen. Plastisch und eindringlich brennt sich sein Thema unter die Haut. Nach dem Anschauen dieser Dokumentation wird man Diskussionen über Waffenexporte anders und intensiver wahrnehmen. Ein Film mit dem Prädikat: Unbedingt sehenswert!

Max Feller in FRIZZ Leipzig, Januar 2017